MARC PAIN

Teilweise Tödlich



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   ISBN: 9783903161238  •  Seiten: 272  •  Preis: 11,90 €   

Hamburg, 30. Dezember 1896

Als mein Partner und ich an diesem Mittwochmorgen in das Gängeviertel, in der Nähe des Hamburger Hafens, geschickt wurden, war ich mir sicher, dass wir uns in wenigen Minuten bereits wieder auf dem Rückweg befinden würden.
Die Frau eines Hafenarbeiters wurde vermisst. Der Mann war bereits auf dem Revier gewesen, um eine Vermisstenanzeige aufzugeben. Es fehlten lediglich noch einige Informationen, damit die Kollegen mit den Ermittlungen beginnen konnten.
Dass eine Ehefrau, Mutter mit Kind oder auch der Mann einer Familie bei Weilen das Weite suchte, um ganz woanders von vorn anzufangen, kam immer wieder mal vor. Gerade seit Beginn des Hafenarbeiterstreiks litten die Familien dieses Arbeiterstandes besondere Not. Was eigentlich nicht die Aufgabe zweier Mordermittler war, als Gefälligkeit für die Kollegen vom Revier gedacht war, sollte sich noch als eine Fügung des Schicksals herausstellen. Aber ich greife vor.
Im Gängeviertel war das Gedränge groß. Ich knüpfte meinen Mantel zu und steckte die Hände in die Taschen. Zwischen den aufgetürmten Bauten stapelten sich unzählig viele Wohnungen, in denen unter ärmlichen Verhältnissen gehaust wurde. Mir fiel es nicht schwer, gleich eine Handvoll Gründe zu finden, aus welchen sich eine sanftmütige Frau dazu entschieden haben könnte, abzuhauen, aus dieser gottverlassenen Gegend.
Über unseren Köpfen spannten sich im Zickzack Wäscheleinen von einer Hauswandreihe zur gegenüberliegenden. Teilweise wurden Wege mit Brettern verkürzt, die von Balkon zu Balkon oder von Fenster zu Fenster reichten. Außerdem spannten sich in einem regelmä6szlig;igen Abstand massive Kanthölzer, zwischen den sich zur Straße neigenden Hausfassaden. In den Gassen, den engen Gängen – woher dieses Viertel seinen Namen bezog –, hielt sich niemand gern unnötig auf. Dirnen, Taschendiebe, Bettler und zwielichtige Händler pr& ... weiter lesen