MARC PAIN

2500: Eine Zukunfts-Novelle



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   ISBN: 9783847609537  •  Seiten: 71  •  Preis: 1,99 €   

Das Signal ertönte und Pan öffnete unmittelbar seine Augen. In einer fließenden und zugleich steif wirkenden Bewegung richtete er sich auf. Zeitgleich setzte er mit den Füßen auf dem Boden auf und erhob sich. Die Arme legte er an den Körper an und stand in strammer Haltung vor dem Bett. Zwischen dem Ertönen des Signals, dem Aufwachen, Wachwerden und dem Aufstehen waren gerade einmal zehn Sekunden vergangen. Mehr Zeit war dafür nicht vorgesehen. Pans Bewegungen wirkten beinahe wie die einer Maschine, eines Humanoiden, aber eben nicht wie die eines Menschen.
Normalerweise wäre er ohne zu zögern, in das angrenzende Bad gegangen, um sich in wenigen Schritten für die Arbeit in seinem Sektor fertigzumachen. Viel Zeit ließ er dabei für gewöhnlich nicht verstreichen. Jeder Tag war aufs Genauste durchstrukturiert und bot keinen Raum zum Rumtrödeln. Eine Minute war für die Rasur vorgesehen, zwei zum Duschen und eine weitere Minute, um die Arbeitskleidung anzuziehen. Pan tat das, ausschließlich das, was seiner Aufgabe diente. Immer wenn das schrille Signal ertönte, stand er auf und fünf Minuten später verließ er seine Wohnzelle. Eine Viertelstunde nach dem Erklingen des Signaltons verließen alle Arbeiter des Wohnsektors ihre Häuser und machten sich auf den Weg zur Arbeit. Sie taten dies jeden Tag. Woche für Woche, Monat für Monat - Jahr für Jahr. Und das ein Leben lang.
Doch nun, zum ersten Mal in seinem Leben, tat Pan etwas Ungewöhnliches. Etwas, das nicht der Vorschrift entsprach. Er tat gar nichts. Nach dem Aufstehen war er wie versteinert stehen geblieben und dachte nach.
Bisher hatte es ihm nicht nur an der Zeit zum Nachdenken gefehlt, er war schlichtweg nicht fähig dazu gewesen, sein Handeln zu hinterfragen. Und jetzt stand er da und fragte sich: Warum soll ich zur Arbeit gehen?
Schockiert schlug er sich die Hand vor den Mund, in der Hoffnung, seine Gedanken damit zum Schweigen zu bringen. Noch nie hatte er es auch nur für möglich gehalten, der Arbeit fernzubleiben. Freizeit ... weiter lesen